Berlin 2026 - Zweiter Tag
Zwischen Friedhöfen und Fotografien
Berlin bei Nacht - Zeitraffer aus dem "Motel One"
Was für ein tief beeindruckender Tag! Selten so viele wichtige, bewegende Dinge gesehen, die mich nachhaltig beeindruckt haben. Es begann zunächst als "Tag der Friedhöfe", denn ich war in Bernau beim Grab meines Großvaters und auf dem Weg zur "Fotografiska" bin ich auf dem "Dorotheenstädtischen Friedhof" gewesen und stand an den Gräbern großer Dichter, Politiker, Künstler und Philosophen. Das war sehr ehrfürchtig.
Besuch in Bernau
Der Tag begann recht früh morgens nach einem Frühstück "to-go" am Hauptbahnhof. Mit einem Regionalzug bin ich in das ca. 25 Minuten entfernte Bernau gefahren, um dort auf dem Friedhof das Grab meines Großvaters zu besuchen. Man muss dazu wissen, dass mein Großvater in den Kämpfen bei Berlin am 21. April 1945 umgekommen ist. Er hatte angenommen, dass seine Familie auf der Flucht aus Ostpreussen den Russen in die Hände gefallen war und sich freiwillig für diesen letzten Kampf gemeldet. Der Sterbeort liegt bei Albertshof-Rüdnitz, ganz in der Nähe von Bernau, lässt sich aber heute nicht mehr lokalisieren. Mein Großvater wurde dort zunächst bestattet, in den 1990er Jahren aber umgebettet.
Bernau ist ein kleines, sauberes, beschauliches Städtchen. Der "Neue Friedhof" ist ca. 15 Minuten zu Fuss vom Bahnhof entfernt. Der Friedhof macht einen sehr gepflegten Eindruck. Wenn man den Friedhof betreten hat, geht man einfach immer geradeaus und trifft ganz am Ende des Weges auf diese "Kissen-Grabsteine" in hellem rot-braunem Farbton. Davon gibt es sehr viele. Mein Großvater liegt in einer Reihe mit vielen anderen Gräbern.
![]() Bahnhofvorplatz in Bernau |
![]() 'Neuer Friedhof' in Bernau |
![]() Das Grab meines Großvaters Gustav Lörzer |
![]() Das Grab meines Großvaters Gustav Lörzer |
![]() Das Grab meines Großvaters Gustav Lörzer |
Dass nach so vielen Jahrzehnten das Grab noch existiert, finde ich sehr erstaunlich. Ein schöner Moment, auch wenn man bedenkt, dass die Beerdigung seiner Tochter (also meiner Mutter) heute genau ein Jahr her ist. Das Auffinden des Grabes war ein schöner Moment.
Dank der KI habe ich aus dem letzten s/w Foto meines Großvaters mal eine Farbaufnahme konstruieren lassen, die mir diesen Menschen näherbringt.
![]() Gustav Lörzer - Letztes, bekanntes Foto |
![]() KI verbessertes Portrait meines Großvaters |
Dorotheenstädtischer Friedhof
Falls die hier erwähnten Personen nicht bekannt sein sollten - die Namen unter den Bildern sind alle mit den entsprechenden Wikipedia-Artikeln verlinkt.

Ebenfalls Teil des Dorotheenstaädtischen Friedhofs
Nach diesem Ausflug nach Bernau und einer kurzen Mittagspause ging es dann die Invalidenstrasse Richtung Stadtmitte und dann die Chaussestraße hinunter. Ich war auf dem Weg zur "Fotografiska" wollte aber den auf dem Weg liegenden "Dorotheenstädtischen Friedhof" besuchen. Das ist ein sehr kleiner Friedhof, aber dort liegen sehr viele berühmte Menschen begraben.
Drei Generationen "Berliner Ensemble". Die Gräber von Bertolt Brecht, Heiner Müller und Claus Peymann:
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Über ihn habe ich vor Jahren eine Rezension zu seinem Buch "Arbeit und Struktur" geschrieben (hier nachzulesen). Das Buch versammelt die Einträge des gleichnamigen Weblogs, den Wolfgang Herrndorf begonnen hatte, nachdem er erfahren hatte, dass er an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt war. Bevor ihn die Krankheit dahinraffen konnte, hat er seinem Leben ein Ende gesetzt:
Drei berühmte Politiker - die Ehrengräber von Hans Modrow, Lothar Bisky und Johannes Rau:
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Tiefe Ehrfurcht für zwei Autoren, an die ich mich noch nicht rangewagt habe:
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Und die Gräber weiterer bekannter Persönlichkeiten: Christa Wolf, Günter Gaus, Gustav Trampe, Otto Sander:
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Fotografiska - Anton Corbijn Ausstellung
Sie wissen nicht wer Anton Corbijn ist? - Bitte zum einleitenden Artikel meiner Berlin Reise springen. Da habe ich ausführlich über diesen Ausnahmekünstler geschrieben.

Das Treppenhaus in der Fotografiska in Berlin - Grandioses Ambiente
Was aber dann folgte, war der Höhepunkt meines Berlin Besuchs und der Hauptgrund, warum ich überhaupt hier bin: Die große Anton Corbijn Retrospektive in der Fotografiska.
Die Location ist total genial. Auf dem Weg dorthin hat man das Gefühl, durch das Berlin zu gehen, was man so als gehobenes Szeneviertel bezeichnen könnte. Überall kleine Cafés und Bistros und ein junges, studentisches Publikum. Die (das?) "Fotografiska" ist ein mehrstöckiges Gebäude mit eigenem Café und Museumsshop. Das Treppenhaus und die Etagen haben einen leichten "Fabrik-Flair". Die Wände alle mit Graffitis übersät. In den Etagen 3-5 finden die Ausstellungen statt. Neben der Anton Corbijn Ausstellung habe ich mir auch die Ausstellung des Fotofragen Thomas Billhardt angesehen, die eine frühe Form der "Streetfotography" aus der DDR zeigt. Aus fünf Jahrzehnten Schnappschüsse der Menschen von Alexanderplatz - aber auch viele journalistischen Arbeiten des 2025 verstorbenen Künstlers.
Die Ausstellungsräume sind komplett abgedunkelt. Die Fotos werden gezielt mit Spots angestrahlt. Das erzeugt ein perfektes Ambiente für die Fotos von Anton Corbijn. Da ich ja ein Kenner bin, kannte ich natürlich viele der Fotos, nur wenige waren neu für mich - aber natürlich ist es das große Format, das Ambiente und vor allem die Musik aus einem Nebenraum, wo drei sich kreuzende Projektoren eine Auswahl der besten Musikvideos von Corbijn zeigen, was die Momente dort auf der 3. Etage unvergesslich machen. Da hat man also auch automatisch die passende musikalische Untermalung mit Musik von Depeche Mode, U2 oder Nirvana. Beim Video zu dem Song "Halo" von Depeche Mode habe ich eine wirklich ergreifende Nostalgie gespürt - ich habe mich zum ersten Mal richtig alt gefühlt und gleichzeitig dankbar, dass ich diese Zeit miterlebt habe und sie sich mit dem Zeitraum der Reifung meiner Persönlichkeit deckt.
Ich bin nach dem Besuch der 3. Etage in die andere Ausstellung gegangen und dann nochmal zurück auf die 3. Etage und habe alles nochmal auf mich wirken lassen. Künstlerisch wirklich das beeindruckendste, was ich je gesehen habe. Im Shop waren wieder die riesigen Fotobände mit den Fotos von Depeche Mode und zu dem Werk von Corbijn verfügbar - die waren zwischenzeitlich ausverkauft. Die beiden Bücher hätte ich sofort nach einem kurzen Durchblättern gekauft (kosten beiden jeweils > 100 EUR, was mich nicht abgehalten hätte :-) ), aber für die bräuchte ich einen extra Koffer. Die Bücher werden dann in Kürze angeschafft.
Hier die schönsten Bilder aus dieser einmaligen Retrospektive:
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
![]() Anton Corbijn Retrospektive |
Viele weitere Fotos aus Berlin gibt es hier zu sehen.
Morgen geht es dann noch in die "Neue Nationalgalerie" und am Nachmittag vermutlich nach Grunewald und/oder zum Alexanderplatz.


































