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15. Februar 2026
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Besuch im Museum Ludwig

Das hatte ich schon seit langem mal vorgehabt. Und ich habe mir gedacht, dass der Karnevalssonntag vielleicht gut für diesen Besuch geeignet ist. Denn der Tag vor Rosenmontag, mit den vielen kleineren Karnevalszügen, würde die Menschen eher nicht an einem Sonntag in Köln in ein Museum locken. Das war tatsächlich keine schlechte Idee, zumal das Wetter auch perfekt war - kalt und sonnig. Nur auf dem kurzen Weg zwischen Bahnhof und dem Museum (das Museum befindet sich direkt neben dem Kölner Dom), musste ich mich durch die Jecken hindurch kämpfen.

Ich habe die Namen des Künstler, einiger Bilder usw. durchgängig in diesem Beitrag mit Links zu Wikipedia versehen.


Hightlight direkt nach dem Treppenaufgang in das Museum - ein Werk von Gerhard Richter ⧉, dem aktuell "teuersten", lebenden Maler weltweit

Ich war mir zunächst nicht sicher, wie lange ein Durchgang durch das Museum dauern würde. Man kann sich bei vielen Bildern natürlich sehr viel mehr Zeit lassen, als für andere. Und ich werde mir einzelne Bilder bei einem weiteren Besuch in naher Zukunft nochmal gezielter anschauen - für meinen Rundgang habe ich jedenfalls gemütliche 2,5 Stunden gebraucht, bei einem Eintitt für 13,50 EUR (nicht ermässigt). Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, denn man sieht hier schon zeitgenössische Kunst von Weltrang.

Erstes Highlight - zumindet was die Bekanntheit des Namens angeht - ist ein Werk von Gerhard Richter ⧉, direkt in der ersten Ebene des Museums, die sich nach einem Treppenaufgang nach rechts und links mit jeweils thematischen Schwerpunkten aufteilt und in kleinen Nebenräumen Fotografien, Skulpturen und auch Installationen zeigt. Der Schwerpunkt liegt aber auf zeitgenössischer Malerei. Wer Pablo Picasso ⧉ liebt, der kommt hier voll auf seine Kosten. Sehr viele Bilder, aber auch Skulpturen und Gefäße in allen möglichen Formen sind in mindestens drei Räumen dargestellt. Eine sehr umfangreiche Sammlung des Werkes von Picasso.

Und ich konnte mich erinnern, dass ich mal vor ca. 40 Jahren mit der Schule in diesem Museum gewesen bin. Damals gab es nur ein einziges Bild, das mich nachhaltig beeindruckt hat. Und auch heute noch ist dieses Bild ein echtes Monster, das den Betrachter in einem kleinen Seitenraum im Bereich "Surrealismus" mit seiner schieren Größe und seinen Farben erschlägt.

Es ist jedoch nicht möglich, die Faszination dieses Bildes in einem Foto richtig einzufangen. Das Bild hat ganz unten am Bildrand die Darstellung eines Meereshorizontes, im Himmel in der Mitte erscheint ein helles Licht, in das eine Figur rücklings hineinstürzt. Vier Lichtsstrahlen gehen von der Mitte ab und liefern Raum für seltsame Darstellungen - die Faszination ergibt sich aber, wenn man länger hinschaut. Wir erkennen, dass die Lichtquelle das Gesicht des gekreuzigten Jesus Christus ist und dass sich seine Arme über das Bild ausbreiten. Ich weiß noch, dass mir das damals erst aufgefallen war, als die Person, die die Führung durch das Museum gemacht hat, uns auf diesen übermalten Christus aufmerksam gemacht hat - muss man aber wirklich live gesehen haben, denn dieses Foto fängt dieses geniale Motiv nur bedingt ein:


"Der Bahnhof von Perpignan" (1965) heisst dieses riesige, beeindruckende Gemälde von Salvador Dali ⧉


Aber es finden sich viele weitere sehr berühmte Künstler in diesem Museum. In meinem aktuellen Roman mit dem Arbeitstitel "OPUS MAGNUM" heisst mein Protagonist Kurt Mondrian und er wird von mir unter anderem auch als Großcousin von Piet Mondrian dargestellt. Mein Protagonist kann nicht verstehen, wie diese abstrakte, für ihn nichtssagende Kunst, solche eine Bedeutung haben kann. Allerdings bezieht sich seine Kritik auf das Spiel mit dem Klebestreifen von "Victory Boogie Woogie" ⧉ und nicht auf das doch sehr schlichte "Gemälde 1", das man hier in Köln sehen kann.

Andy Warhol ist hier, August Macke, Roy Lichtenstein, Günther Uecker oder auch Paula Modersohn-Becker.

Günther Uecker

Günther Uecker ⧉

Andy Warhol

Andy Warhol ⧉

Roy Lichtenstein

Roy Lichtenstein ⧉

Paula Modersohn-Becker

Paula Modersohn-Becker ⧉

Piet Mondrian

Piet Mondrian ⧉

Paul Klee

Paul Klee ⧉

Mein persönliches Highlight - und für mich auch völlig neu - ist das Gemälde "Dame in grüner Jacke (1913)" von August Macke ⧉. Es ist sehr abstrakt, aber zeigt dennoch eine sehr deutliche Szenerie. Die Dame mit grüner Jacke, allein im Zentrum des Bildes, schaut auf zwei andere Paare. Obwohl man keine Gesichter sieht, spürt man den Blick dieser Hauptfigur und es eröffnen sich viele stichhaltige Szenarien über das, was passiert, wenn sich die Blicke dort kreuzen würden. Als habe sie bekannte Menschen entdeckt, wurde aber selbst noch nicht begrüsst. Als wäre da Neid oder eine Allwissenheit im Spiel - es ist faszinierend, was dieses einfache Bild an Suggestionen zaubern kann.


"Dame in grüner Jacke (1913)" von August Macke


Man darf übrigens in dem Museum fotografieren - allerdings nur ohne Blitz. Und es sind viele Personen dort anwesend, die stillschweigend aufpassen. Es gibt dort auch einen sehr schönen Buch- und Souveniershop und ein Restaurant. Beides ist vom eigentlichen Museumsbereich etwas abgegrenzt und können auch ohne Ticket unabhängig vom Museum besucht werden. Ein Besuch lohnt sich. Da ist für jeden etwas dabei, was man nach einem Besuch so schnell nicht wieder vergisst.

Weitere Infos: https://www.museum-ludwig.de/de/ ⧉

Aktuell bei arte.tv zu sehen: Gerhard Richter Painting ⧉